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Ein hoher Druck entsteht vor allem, wenn der Patient oder Bewohner das Kopfteil erhöht hat – also im Bett sitzt. Beim Sitzen verkleinert sich die Auflagefläche für das Gesäss somit nimmt der Druck um das drei bis fünffache zu. Wenn ein Patient oder Bewohner sitzt, ist die aufliegende Fläche kleiner als im flachen Liegen. Je kleiner die Fläche, desto grösser der Druck.
Bereits in den 30er Jahren beschäftigen sich die ersten Wissenschaftler intensiver mit dem Thema Dekubitus und Druck. Sie konnten feststellen, dass Druckgeschwüre schon bei sehr niedrigem Druck entstehen können.
Die grundlegenden Experimente von Kosiak aus den 60er Jahren klärten bis vor kurzem die Frage der Dekubitusentstehung so: Entscheidend ist die Dauer der Druckeinwirkung, nicht die Höhe des Druckes. In den letzten Jahren hat man durch neuere Untersuchungstechniken wie der Kernspintomographie (MRT) Aufnahmen des „bedrückten“ Gewebes erstellen können, aus denen neue Erkenntnisse gewonnen werden konnten. Man hat die Feststellung gemacht, dass auch hohe Drücke das Gewebe schädigen können, selbst wenn sie nur kurz einwirken. Hilfsmittel, welche die Druckverteilung unterstützen, wie der doppelte Rückzug, sollten eine grosse Rolle spielen.
Neben dem Druck und Zeitfaktor, spielen auch die Scher- und Zugkräfte eine grössere Rolle als angenommen. Scher- und Zugkräfte entstehen in einem Gewebe immer dann, wenn Druck einwirkt. Je höher der Druck, desto höher die Scher- und Zugkräfte!
Wenn eine Kraft auf ein elastisches Gewerbe ausgeübt wird, wird dieses zusammengedrückt und auseinandergequetscht: Das sind die Scherkräfte.
Gleichzeitig entstehen an den eingedrückten Stellen Zugkräfte, indem das Gewebe beim Eindrücken auseinandergezogen wird. Scher- und Zugkräfte korrespondieren deshalb mit der Druckhöhe. Bei einem im Bett sitzenden Patienten oder Bewohner, entstehen hohe Drücke und somit auch hohe Scher- und Zugkräfte. Weiterhin spielt bei der Entstehung eines Dekubitus vor allem auch das Mikroklima und die Hauttemperatur eine Rolle: Niedrige Hauttemperaturen reduzieren das Auftreten von Dekubitus.
Es ist Pflegenden schon immer aufgefallen, dass Patienten und Bewohner im Bett runterrutschen und eigentlich nicht optimal liegen. Zuerst hatte Christel Bienstein dieses Problem 1984 dargestellt. Sie konnte zeigen, dass erwachsene Menschen physiologisch in der Hüfte abknicken. Die Länge bis zur Hüfte ist ca. 50 Prozent der Körperlänge. Also müsste zum einen das physiologische Krankenbett in der Mitte knicken - nicht im oberen Drittel. Zum anderen rutscht der Patient oder Bewohner im Bett mit hoch gestelltem Kopfende nach unten, wodurch nicht nur erhebliche Scher- und Zugkräfte entstehen, sondern darüber hinaus die Abknickstelle des Bettes nicht mehr mit der Hüftabknickung übereinstimmt. Der Mensch „knickt“ dann im Bereich der Lendenwirbelsäule, oder wenn er noch weiter nach unten rutscht, sogar im Bereich der Brustwirbelsäule. Da der Mensch jedoch in der Wirbelsäule nicht knicken kann, erhöht sich der aufliegende Druck auf das Gesäss massiv.
Bienstein konnte 1984 messen, dass bei einer physiologischen Abknickung, also wenn Hüfte und Abknickstelle des Bettes übereinstimmen, die Kraft im Bereich des Gesässes ca. 17 kg beträgt, wenn der Mensch jedoch unphysiologisch knickt, beträgt die Kraft bis zu 25 kg. Eine wirksame Dekubitusprophylaxe bedeutet also physiologisch im Bett abknicken, sofern das Kopfende hochgestellt wird.
Die Firma wissner bosserhoff hat seit Jahren ein weiteres Konzept verfolgt, welches die Dekubitusgefährdung reduzieren soll: Den einfachen und doppelten Rückzug. Beim einfachen Rückzug wird beim Aufstellen des Kopfendes das Kopfende nicht nur geknickt wie ein Scharniergelenk, sondern das Kopfendeteil bewegt sich dabei vom Mittelteil weg. D.h. die Betteile gehen „auseinander“. Zum einen nimmt dadurch der Druck in der Kreuzbeinregion deutlich ab, zum anderen wird die Fläche im Mittelteil grösser. Dies ist vorteilhaft für den sitzenden Menschen, da er mehr Fläche beim Sitzen hat, wodurch der Druck ebenfalls geringer wird.
Beim doppelten Rückzug wird nicht nur das Kopfende bewegt, sondern auch das Fußteil wird vom Mittelteil weg bewegt, so dass die Fläche des Sitzteiles noch größer wird.
Inzwischen liegen auch Ergebnisse von Druckmessungen vor, aus denen deutlich zu erkennen ist, dass der Druck mit einfachem Rückzug niedriger ist als beim normalen Kopfteil. Beim doppelten Rückzug ist der Druck nochmals geringer als beim einfachen Rückzug.
Der doppelte Rückzug kann nicht als alleinige Dekubitusprophylaxe zu sehen sein, er kann aber die vorhandenen Möglichkeiten gut unterstützen und zeigt, dass wir heute alle uns zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten einsetzen sollten, um die Situation zu verbessern.