Wie bedeutend sind Deckenlifter? (Teil 2)

Agnes 21.3.2019
Titelbild_Teil2_InterviewDeckenlifter_Utzigen

Im letzten Beitrag ist es bereits um diese Frage gegangen. Heute laden wir Sie ein, das Interview mit Frau Brigitte Röthl, Bereichsleiterin Pflege des Wohn- und Pflegeheims Utzigen, zu lesen.

In vier Bewohnerzimmern und einem Nasszellenbereich wurden im Sommer 2016 Guldmann-Deckenliftersysteme installiert. Frau Röthl gibt uns einen Einblick in die Erfahrungen aus der Praxis:

  • Frau Röthl, könnten Sie die Zeit zurückdrehen, würden Sie hinsichtlich Hebe- und Transfersystemen etwas anders entscheiden?

    «Die Deckenlifter bewähren sich sehr gut. Vor allem im Badezimmer ist eine solche Installation unerlässlich.
    Nicht sicher ist, ob wir wieder dieselben Zimmer ausstatten würden. Vielfach stellt sich erst im Nachhinein bzw. im Praxistest heraus, wo welche Hilfsmittel am besten einzusetzen sind. Und da die bei uns montierten Deckenlifter fix in den entsprechenden Zimmern installiert sind, können diese halt nicht überall flexibel eingesetzt werden.»
  • Was sind die überzeugendsten Argumente für Deckenlifter?

    «Lifter sind etwas Gutes. Der Deckenlifter gibt den Bewohnenden ein besseres Gefühl von Sicherheit und vermittelt Beständigkeit sowie Stabilität.

    Der Einsatz eines Lifters ist zudem angenehmer für die Bewohnenden, da sich das Pflegefachpersonal Zeit nehmen kann, weil keine Kräfte eingeteilt oder geschont werden müssen. Der ganze Transfer oder das Heben können so ruhiger und entspannter abgewickelt werden und gibt den Bewohnenden wie gesagt mehr Sicherheit.

    Er braucht sehr wenig Platz, nichts steht am Boden oder im Weg herum. Deckenlifter sind innerhalb der entsprechenden Installation mobil einsetzbar; im Sinn von er kann sofort bei Bedarf eingesetzt werden und die Pflegenden müssen nicht zuerst darauf achten, dass die Umgebung stimmt.»
  • Was sagen Sie zu dieser Aussage: «Ob bereits in der Planungsphase eines Neubaus oder in bestehenden Gesundheitsinstitutionen: Deckenlifter können bzw. sollten sinnvollerweise unbedingt mitberücksichtigt werden, denn diese sind in der heutigen Pflege ein ergonomisches und effizienzsteigerndes um nicht zu sagen unerlässliches Hilfsmittel.»

    «Ich bin bereits mehrmals bei Umbauten involviert gewesen. Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass erst wenn ein Hilfsmittel wirklich installiert ist, sich in der Praxis die Wahrheit herausstellt. Bei einem Badezimmer ist’s klar, da muss man etwas haben und dies bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen und zu überlegen, macht durchaus Sinn.»
  • Wahrscheinlich nur sehr wenige FaGe-Lernende kommen heute in ihrer Ausbildung mit Deckenliftern in Berührung. Sind Sie der Ansicht, dass der Einsatz dieser Art von Hilfsmitteln bereits als Standard an den Berufsschulen gelehrt werden sollte?

    «Mobilisieren und Heben sind in der Theorie bereits Themen in der Ausbildung. Demgegenüber ist es wichtig, die praktische Anwendung, d. h. das Handhaben verschiedenster Situationen in der Praxis zu lernen. Es ist beispielsweise überhaupt nicht dasselbe, ob in der Schule ein Kollege von A nach B transferiert wird oder in der Praxis eine Bewohnerin oder ein Bewohner mit Schmerzen oder Bewohner mit Beeinträchtigung gehoben und bewegt werden sollen.

    Es ist durchaus sinnvoll, in der Schule verschiedene Hilfsmittel anzuschauen bzw. kennen zu lernen. Schliesslich gibt es mobile Lifter, Stehlifte, Deckenlifter und weitere Varianten zur Mobilisierung sowie zum Heben und Transferieren. Wann was und wie eingesetzt werden kann, ist bereits in der Ausbildung wichtig zu wissen, damit in der Praxis das nötige Bewusstsein vorhanden ist und entsprechend gehandelt werden kann.»
  • Wie erwähnt, dient der Einsatz von Deckenliftern der Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden und bedeutet, damit zur Vorbeugung von körperlich bedingten Langzeitausfällen beizutragen. Was sagen Sie zum finanziellen Aspekt dieser Investition?

    «Für sinnvoll eingesetzte Deckenlifter lohnt sich die Investition auf jeden Fall. Die Gesundheit ist wichtig.

    Der Einsatz des Deckenlifters ist etwas zeitintensiver, bringt aber unterm Strich mehr, als eine kraftraubende und unüberlegte Bewegung zu machen – und man kann sich so zusätzlich etwas Zeit nehmen für die Bewohnenden.

    Wann immer möglich arbeiten wir mit dem Patienten in Richtung Selbstmobilisierung, Aktivierung und setzen die Deckenlifter ein, wenn wirklich grosse Kraftaufwendung erforderlich ist. **

    Wichtig ist, dass man es zu schätzen weiss, wenn ein solches Hilfsmittel vorhanden ist und dieses auch einsetzt!»

Herzlichen Dank, Frau Röthl, für das interessante Gespräch. Auch danken wir bei dieser Gelegenheit dem Wohn- und Pflegeheim Utzigen für das langjährige Vertrauen in Bigla Care.

 

** Bigla Care erlaubt sich, hier eine Anmerkung zu machen: Ein Deckenlifter kann durchaus auch zu Mobilisationsübungen eingesetzt werden. Der Deckenlifter übernimmt nur die Hebe- oder Stützaufgabe. Der Bewohner ist jederzeit sicher fixiert, sollte er z. B. das Gleichgewicht verlieren. Für Informationen und Tipps zu Übungen stehen wir gerne zur Verfügung.

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