Ergonomie: wichtiger Baustein im Kampf gegen Rückenschmerzen in der Langzeitpflege

Ginie 26.11.2018
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Pflege- und Betreuungsberufe verlangen dem Körper viel ab. Besonders belastet werden Rücken, Schultern, Nacken und Gelenke. 65.3% der Pflegenden haben Beschwerden, die sie in Zusammenhang mit ihrer Arbeit stellen. Als häufigste Ursache werden die Patiententransfers angegeben. Die Beachtung der Ergonomie im Arbeitsumfeld und in der Arbeitsweise hilft Belastungen des Rückens zu reduzieren.

Um Arbeitsumfeld und Arbeitsweise besser zu gestalten, braucht es eine Gefährdungsbeurteilung (am besten durch eine Fachperson). So kann die Unternehmensleitung gezielt geeignete Massnahmen planen, welche an verschiedenen Orten ansetzen sollten. Es gilt das Top-Down-Prinzip. Zuerst wird geprüft, ob technische Lösungen die Belastungen verringern, danach werden Lösungen auf organisatorischer Ebene gesucht. Weitere Massnahmen zur Rückenentlastung setzen dann auf der personenbezogenen Ebene an.

Technisches: Basis für ergonomisch vorteilhaftes Arbeiten sind geeignete Räumlichkeiten. Schon bei der Planung müssen verschiedenste Aspekte beachtet werden. Sind beispielsweise die Türen breit genug, Zimmer und Wege barrierefrei, gibt es ausreichend Bewegungs- und Rangierflächen, sind Deckenliftsysteme sinnvoll und nützlich. Bei der Planung sollten auch die richtigen Arbeitshöhen im Stationszimmer oder Ausguss berücksichtigt und die Bildschirmarbeitsplätze ergonomisch ausgerichtet werden.

Zusätzliche technische Hilfsmittel entlasten den Rücken. Nach eingehendem Testen sollten sie in genügender Anzahl fix installiert werden. Nebst höhenverstellbaren Pflegebetten und Patientenliftern sind kleine Hilfsmittel wie Antirutschmatte, Tagespflegestuhl, Rutschbrett usw. sehr gut geeignet, um, sofern korrekt angewendet, die Rückenbelastung zu reduzieren.

Auf organisatorischer Ebene sollten die Arbeitsabläufe überprüft, der Hilfsmitteleinsatz in der Pflegeplanung berücksichtigt und Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz eingebunden werden. Auch die regelmässige Unterweisung in der Anwendung der Arbeitsmittel muss systematisch integriert sein.

Schliesslich bleibt der persönliche Einsatz des Pflegepersonals. Sie sollten die Arbeitsmittel konsequent einsetzen, auf gute Körperhaltung achten, Transport- und Wäschewagen korrekt schieben und vor allem auch «sich selbst pflegen»: Ein bewusster Einsatz der eigenen Kräfte und eine gute Balance zwischen Beruf und Freizeit sind dabei sehr wichtig.

(Nebenbei: Die Mitarbeitenden bringen dem Arbeitgeber und nicht zuletzt dem Pflegebedürftigen nur etwas, wenn sie gesund sind und einsatzfähig bleiben.)

Artikel von Ginie Meier, Fachspezialistin Ergonomie bei SUVA & Bigla Care

 

In einem nächsten Artikel liefern wir Ihnen gerne konkretere Tipps zur ergonomisch vorteilhaften Arbeitsweise in der Pflege.

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